Anlässlich der grünen Woche 2024 in Berlin möchte die GRÜNE LIGA auf das Artensterben in der Agrarlandschaft aufmerksam machen. Zwei Drittel aller Arten dieses Lebensraumes stehen mittlerweile auf der Liste der bestandbedrohten Arten. Einige von ihnen sind in einigen Bundesländern schon ausgestorben. In Deutschland werden 50 Prozent der Landesfläche agrarisch bewirtschaftet.
Der Umweltverband fordert auch weiterhin ein Anbauverbot gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland wie auch in ganz Europa. Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Rohstoffen hergestellt werden, müssen gekennzeichnet werden. Alles andere wäre Verbrauchertäuschung. Die große Mehrheit der Deutschen möchte keine gentechnisch veränderten Bestandteile in ihren Lebensmitteln.
DIE GRÜNE LIGA fordert von der Bundesregierung, sich diese Woche eindeutig gegen die Verlängerung des Pestizidwirkstoffs Glyphosat im Europäischen Rat auszusprechen. Sollte sich die FDP von den Lobbyisten der Pestizidindustrie überrumpeln lassen haben und Druck auf die Ampelkoalition ausüben, müsse Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) notfalls noch einmal ein „Machtwort“ sprechen, fordert Tomas Brückmann, Pestizidexperte des Umweltnetzwerkes GRÜNE LIGA.
„Glyphosat wird schon jetzt bereits fast überall gefunden: Im Urin der Menschen, im Wasser und in der Luft. Dort überall gehören Pestizide nicht hin! Das Totalherbizid ist wesentlich für das Artensterben in der Agrarlandschaft verantwortlich“, sagt Brückmann: „Glyphosat ist ein Wasserschadstoff und ebenso ein Antibiotikum. Wir desinfizieren fortwährend unsere Landschaft und vernichten wichtige Mikroorganismen. Die Kosten für die Umweltbelastung des preiswerten Pestizids trägt die Gesellschaft. Das ist nicht akzeptierbar“.
Pestizide sind in ganz Europa ein großes Problem. Im Wasser, in der Luft und in unseren Lebensmitteln tauchen die Ackergifte permanent auf. Hier gehören sie nicht hin!
In Brüssel stehen in diesem Herbst wichtige Entscheidungen zu einer möglichen Pestizidreduktion an. Die EU-Kommission hat relativ ambitionierte Vorschläge zu einer Regulierung vorgelegt. Einige EU-Mitgliedsstaaten und insbesondere die Europäische Volkspartei (EVP) mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber kämpfen hart gegen diese ihrer Meinung nach ökologische Bevormundung.
Im Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss wird über die Richtlinie zur Reduktion des Einsatzes von Pestiziden (SUR) abgestimmt, bevor eine Entscheidung im Europäischen Parlament getroffen wird. Bitte macht mit: Fordert von den EU-Abgeordneten aus Eurem Wahlkreis, den Plänen der EU-Kommission zur Pestizidreduktion zuzustimmen.
„Die GRÜNE LIGA mahnt zum Tag der Artenvielfalt: In der intensiven Landwirtschaft werden weiterhin zu viele Pestizide eingesetzt. Diese vernichten die Nahrung unserer Vogelwelt. Rebhuhn, Kiebitz und Haubenlerche werden bald nicht mehr bei uns leben“, so Tomas Brückmann, Pestizidexperte der GRÜNEN LIGA. „Die Europäische Union muss endlich ihre die Richtlinie zur Reduktion des Pestizideinsatzes, die sie im Juni 2022 veröffentlichte, umsetzen. Im Moment blockiert die große Fraktion der EVP um seinen Fraktionsvorsitzenden Manfred Weber im Europaparlament diesen Prozess“, ergänzt der Naturschützer.
Die europäische Vogelwelt schrumpft immer mehr: Zwischen 1980 und 2016 ist die Zahl der Bestände der Vögel in Europa um rund ein Viertel gesunken. Besonders schlimm steht es um die Vögel der Agrarlandschaft. Ihre Populationen nahmen um 57 Prozent im gleichen Zeitraum ab. Die intensive Landwirtschaft, in der Pestizide und synthetische Düngemittel genutzt werden, ist die Hauptursache für diesen gravierenden Exodus. Insektenbekämpfungsmittel Pestizide reduzierten die Anzahl an Insekten, die wiederum vielen Vogelarten als Futter dienen, heißt es in der Studie.
Das schöne Osterwetter in den nächsten Tagen wird dazu führen, dass die Frühjahreswanderung der Frösche, Kröten und Molche zu ihren Laichplätzen weiter anhält. Auf ihren Weg zu den Teichen und Tümpeln müssen die Amphibien regelmäßig auch landwirtschaftlich genutzte Flächen „überqueren“. Hier kommen sie mit den ausgebrachten - meist giftigen Agrochemikalien - in Berührung. Sie besitzen eine dünne, fast durchlässige Haut und nehmen die Gifte auf.
„Die GRÜNE LIGA appelliert an die Landwirte, jetzt das Spritzen von Pestiziden und synthetischen Düngern in der Nähe von Laichgewässer auszusetzen“, so Tomas Brückmann, Pestizidexperte der GRÜNEN LIGA: „Nur so können die erwachsenen Lurche unversehrt ihre Fortpflanzungsstätten erreichen und so für das Überleben ihre Art zu sorgen“, ergänzt der Biologe: „Unser Naturschutzverband fordert von den Naturschutzbehörden, alsbald Schutzzonen um Amphibien-Laichgewässer auszuweisen. Und damit die meist streng geschützten Tierarten vor dem Tode zu bewahren. Die Bestände der meisten einheimischen Amphibienarten sind rückläufig“.