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Tagung setzt ein Zeichen für den Schutz lebendiger Flüsse

Lebendige Flüsse für Europa - Bericht der Tagung am 8. Mai 2024 in Berlin

Gewässer Oder-Spree-GebietMit einem kurzen Rückblick auf die Arbeit des in Kooperation zwischen der GRÜNEN LIGA und der Stiftung Living Rivers betriebenen Water Policy Office begrüßte Michael Bender, Leiter unserer Bundeskontaktstelle Wasser, die Teilnehmer*innen der Tagung. Die Veranstaltung fand anläßlich des World Fish Migration Day im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte statt.

Seine Präsentation Free Flow – Frei fließende Flüsse konzentrierte sich auf den durch die europäische Wasserrahmenrichtlinie bestehenden und durch das Nature Restoration Law zu erwartenden gesetzlichen europäischen Rahmen mit besonderem Fokus auf den Rückbau von Wehren als wesentlichen Beitrag zur Wiederherstellung der Biodiversität von Flüssen. Parallel dazu gilt es, Flussauen zurückzugewinnen und den natürlichen Wasserhaushalt zu verbessern. Für die Verbesserung der Lebensraumqualität von Flüssen können oft auch kleinteilige Maßnahmen deutliche Wirkung entfalten, wie an Beispielen aus dem Hamburger Umland und von der Dosse erkennbar.

Präsentation (pdf 2,5 MB)

In ihrem Vortrag „Von Montreal über Ney York nach Berlin wies Theresa Schiller (WWF) auf die Bedeutung von SDG 15 (Schutz der Landökosysteme) für den Erhalt der hier subsumierten Süßwasserökosysteme hin, deren Stellenwert erst auf der Climate CoP 27 (11/2022) Artikel 21 in die Klimaagenda der UNFCCC und auf der CBD-Konvention (Kunming-Montreal 12/2022) in die Schutz- und Restaurierungsziele zur biologischen Vielfalt aufgenommen wurde. In der auch von Deutschland angenommenen World's Freshwater Challenge wurde der Schutz und die Wiederherstellung von 300.000 km Flüsse und 350 Millionen Hektar Feuchtgebiete bis 2030 als Ziel formuliert. Diese Ziele sollten nun auch in dem Europäischen Rechtsrahmen und in der nationalen Biodiversitätsstrategie verankert werden.

Präsentation (pdf 3,2 MB)

Lisa Kadel (GegenStrömung) leitete ihren Vortrag zu internationalen Wasserkraftgroßprojekten mit einigen globalen Fakten ein. Mit fast 16 % der gesamten Stromerzeugung liegt die Wasserkraft bei den nicht fossilen Kraftwerken immer noch klar vor der Atomkraft, der Windenergie und der Solarenergie, wobei ihr Anteil regional sehr unterschiedlich ist - von über 80 % wie in Norwegen und Sambia bis unter 20 % in weiten Teilen Asiens, den USA, Australiens und Nordafrikas. Während die Internationale Energieagentur noch Ausbaupotential sieht, gab es 2023 durch Dürren trotz Zubaus an Kapazität einen Rückgang der Produktion. Bei dem gerade in Tadschikistan im Bau befindlichen Staudamm Rogun droht über 40.000 Menschen die Vertreibung, das Tigrovaya Balka Naturreservat ist von Überflutung bedroht und vom Aussterben bedrohte endemische Störe könnten ihren Lebensraum verlieren. Neu in der Diskussion ist die Rolle der Wasserkraft als Partner der Wasserstoffwirtschaft. Nach der aktuellen Vision des australischen Investors Fortescue Future Industries könnte der Grand Inga Damm in der DR Kongo zum größten Wasserkraftwerk der Welt ausgebaut werden mit der Option „grünen“ Wasserstoff für den Export zu produzieren. Geplant ist die mehrstufige Erweiterung um bis zu 5 weitere Dämme auf 40 GW Kapazität. Die bereits vorhandenen Staudämme Inga I und Inga II laufen allerdings derzeit wegen mangelnder Unterhaltung nur auf ca. 1/3 ihrer ursprünglichen Kapazität.

Präsentation (pdf 1,1 MB)

Olaf Lindner (Deutscher Angelfischerverband / Fario) stellte die gerade zur Flusslandschaft der Jahre 2024/25 gekürte Stepenitz vor. Der Fliegenfischerverband Fario legt in der Stepenitz und in der Dosse Laichgründe für die Bachforelle an und betreibt ein Projekt zur Wiederansiedlung von Meerforelle und Lachs. Jeden Herbst wird von Oktober bis Weihnachten einmal pro Woche das Monitoring erwachsener, wiederkehrender Fische durchgeführt. Die ersten wiederkehrenden Lachse konnten inzwischen begrüßt werden. Im verbandseigenen Bruthaus werden seit 2017 nur noch Meerforelleneier von wiederkehren adulten Meerforellen ausgebrütet. Zu den Herausforderungen gehören viele noch nicht für Fische passierbare Wehre und auch Biberdämme. Zur Rolle des Bibers entspann sich eine Diskussion mit dem Auditorium, da der Biber gleichzeitig eine wichtige Funktion bei der Gestaltung aquatischer Lebensräume ausfüllt.

Präsentation (pdf 1,8 MB)

Johanna Erdmann (Berliner Wassertisch) hielt einen Impulsvortrag zu den Schwerpunkten der Blue Community Berlin, zu denen die Anerkennung von Wasser und sanitärer Grundversorgung als Menschenrecht, der Erhalt des Wassers als öffentliches Gut, der Schutz der Qualität des städtischen Trinkwassers sowie der Berliner Flüsse und Seen, die Förderung von Berliner Leitungswasser statt Flaschenwasser sowie die Pflege von internationalen Partnerschaften zählt. Die Blue Community Ausstellung wurde zwischenzeitlich in allen Berliner Rathäusern gezeigt. Die Aktiven der Blue Community treffen sich monatlich.

Sandra Kolberg (GRÜNE LIGA Berlin) stellte das Wassernetz Berlin als Mitmach-Netzwerk von BLN, a tip: tap, BUND Berlin, GRÜNE LIGA Berlin, Museum für Naturkunde und NABU Berlin mit dem Ziel, den Gewässer- und Biodiversitätsschutz in Berlin voranbringen vor. In 12 Bezirken werden 70 Dialogveranstaltungen an Gewässern „vor der Haustür“ angeboten. Probleme werden anschaulich aufgezeigt und versucht, mit den Anwohner*innen und den zuständigen Behörden gemeinsam praktische Lösungen zu finden. 17 Gewässer werden ökologisch aufgewertet. Zu den thematischen Schwerpunkten gehören der Schutz aller wasserabhängigen Lebensräume, der Biotopverbund, die gute Wasserqualität / Leitungswasser, die gewässerverträgliche Freizeitnutzung und der ökologisch ausgeglichene Landschaftswasserhaushalt.

Präsentation (pdf 2,0 MB)

Das weitere Programm widmete sich dem Wassernetz-Dialog zu den Auswirkungen des Braunkohlebergbaus in der Lausitz auf den Wasserhaushalt und die Trinkwasserversorgung in Berlin. Einführend umriss René Schuster, Leiter der Bundeskontaktstelle Braunkohle der GRÜNEN LIGA, den durch den Bergbau in der Lausitz gestörten Wasserhaushalt der Spree. Für den Betrieb der Tagebaue werden Teile des statischen Grundwasservorrats im Spree-Einzugsgebiet abgepumpt, Kühlwasser für den Betrieb von Kraftwerken mit erheblichen Wasserverlusten in den Kühltürmen abgezweigt und anschließend in die Vorfluter / der Spree zugeführt. Das „geborgte“ Grundwasser muss allerdings nach dem Einstellen der Förderung als Flutungswasser für die Tagebaurestseen zurückgegeben werden. Die dann entstehenden Bergbaufolgeseen verursachen dauerhafte Verdunstungsverluste. Die GRÜNE LIGA tritt dafür ein, die entstehenden Kosten dem Verursacher aufzuerlegen: Soweit die Tagebaubetreiber zur Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen zum Bau und Betrieb von Wasserspeichern und Wasserüberleitungen verpflichtet sind, haben sie auch die dafür entstehenden Kosten zu tragen (Rechtsgutachten „Sicherung wasser- und naturschutzrechtlicher Maßnahmen bei Bergbauvorhaben). Der durch die Kohleverstromung mitverursachte Klimawandel muss bei allen ausstehenden Entscheidungen (Braunkohlenpläne, Abschlussbetriebspläne etc.) beachtet werden, um klimaresiliente Bergbaufolgelandschaften zu schaffen. Dazu gehört, die Fläche der Tagebaufolgeseen zu verkleinern und die stoffliche Belastung (Eisen/Ocker und Sulfat) zu begrenzen.

Präsentation (pdf 3,6 MB)

Jens Burgschweiger (Berliner Wasserbetriebe BWB) führte in das Berliner Wasserversorgungssystem ein. Die Berliner Wasserbetriebe betreiben aktuell 9 Wasserwerke, in denen Grundwasser naturnah aufbereitet und dann über ein 7.800 km langes Rohrnetz an die Bevölkerung geliefert wird. 25 % des Stadtgebiets sind Trinkwasserschutzgebiet, 95 % des Trinkwassers wird innerhalb der Stadt gewonnen. Das durch die Flüsse bereitgestellte Wasserdargebot ist allerdings mit durchschnittlich 1 m³ pro Einwohner*in und Tag im Vergleich mit anderen Großstädten sehr gering. In Trockenphasen übersteigt der Klärwerksanteil den Gesamtabfluss der Havel. Die Qualität des geförderten Grundwassers wird stark durch die Qualität des Oberflächenwassers beeinflusst. Zu den Herausforderungen der Wasserversorgung in Berlin zählen der Bevölkerungsanstieg und der steigende Wasserbedarf, der Klimawandel und die verringerte Wasserverfügbarkeit sowie die Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus in der Lausitz. Der Berliner Trinkwasserbedarf war nach einem deutlichen Peak in den 1980er Jahren bis etwa 2005 rückläufig. Auch der Berlin-Brandenburger Gesamtwasserbedarf für Trinkwasser, Kühlwasser und Bergbau/Industrie war in diesem Zeitraum deutlich rückläufig, hat sich aber inzwischen stabilisiert. Messtechnisch nicht erfasst wird die künstliche Entwässerung der Landschaft über Entwässerungsgräben und Drainagen. Klimabedingt dehnen sich Perioden mit hoher Verdunstung aus und die Grundwasserneubildung nimmt voraussichtlich ab. Die verringerte Wasserverfügbarkeit und der steigende Arzneimittelkonsum führen zu steigenden Konzentrationen im Oberflächen- und Grundwasser. Altlasten und steigende Anforderungen der Trinkwasserverordnung schränken das nutzbare Dargebot zusätzlich ein.

Die hohe Sulfatkonzentration in der Spree schränkt die Nutzung des Spreewassers für die Grundwasseranreicherung ein und erhöht das Potenzial für Korrosion im Wasserver- und Abwasserentsorgungssystem. Der Rückgang der Einleitungen von Sümpfungswasser (6,9 m³/s) und der Wasserbedarf für die Flutung der Absenktrichter (6,3 m³/s) führten zu einer Verringerung des mittleren Abflusses der Spree um 13,4 m³/s. In Trockenzeiten wird es im Berliner Raum häufiger und verstärkt zu Situationen mit Wasserstress kommen. Der Anteil des gereinigten Abwassers aus den Klärwerken in Spree und Havel wird ansteigen.

Präsentation (pdf 1,7 MB)

Zu den in Berlin priorisierten Maßnahmen aus dem Maßnahmenbündel des Masterplans gehören:

  • die Ausrüstung der Klärwerke mit Verfahrensstufen zur Spurenstoffentfernung
  • der Bau neuer Wasserwerkskapazitäten
    • Wiederinbetriebnahme der Wasserwerke Jungfernheide (hoher Grundwasseranteil und Uferfiltrat) sowie Johannisthal
    • Wiederinbetriebnahme von Brunnengalerien
  • die Intensivierung der Altlastensanierung
  • die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung (Schwammstadt)
  • das Wassersparen
  • die länderübergreifende Zusammenarbeit zur Sicherung eines erforderlichen Mindestzuflusses nach Berlin über die Spree und die Einhaltung der Immissionsziele für Sulfat

Zu den in Diskussion stehenden Maßnahmen in der Lausitz zählen:

  • die Minimierung der Flächen von Tagebaurestseen, die nicht als Speicher dienen
  • die Wasserüberleitungen aus anderen Flusseinzugsgebieten
    • für die schnelle Flutung der Absenktrichter und
    • für das sichere Füllen der Wasserspeicher in den Wintermonaten
  • der Bau von Speichern für die Stützung des Wasserhaushalts in Trockenperioden
  • die Stärkung des Wasserrückhalts in der Landschaft
  • die Stimulierung des Eisen-und Sulfatabbaus im Untergrund
  • der sorgsame Umgang mit dem begrenzten Wasserdargebot

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