Am 18. und 19. Juni 2026 begrüßte die Blue Community Berlin gemeinsam mit der GRÜNEN LIGA und ihren Partnerorganisationen die australische Rechtswissenschaftlerin und Blue Community Botschafterin Assoc. Prof. Dr. Erin O'Donnell in Berlin. Im Rahmen ihrer Europareise diskutierte sie mit Vertreter*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Umweltverbänden über die Rechte von Flüssen, den Schutz von Gewässern und neue rechtliche Ansätze im Umgang mit der Natur.
Neben der öffentlichen Podiumsdiskussion und einem Filmabend standen auch Besuche an Berliner Schulen sowie eine Exkursion zu innovativen Wasserkonzepten auf dem Programm.
Den Auftakt der öffentlichen Veranstaltungen bildete der Vortrag „Upholding the Rights of River Persons: Enforcement or Relational Repair?“ im aquarium am Kottbusser Tor. Gastgeberin war die Stiftung Living Rivers.
Erin O'Donnell stellte die internationale Bewegung für die Rechte der Natur vor und erläuterte, warum das klassische Wasserrecht Flüsse bis heute überwiegend als Ressource und Eigentumsobjekte behandelt. Dem stellte sie das Konzept des „Relational Repair“ entgegen – die Wiederherstellung einer respektvollen Beziehung zwischen Mensch und Fluss. Rechte für Flüsse seien dabei nicht nur ein juristisches Instrument, sondern könnten einen grundlegenden Perspektivwechsel anstoßen: Weg von der Frage, wie Wasser genutzt werden kann – hin zu der Frage, was Flüsse für ihre Gesundheit und ihr langfristiges Bestehen benötigen.
Anhand internationaler Beispiele, darunter der australische Fluss Birrarung (Yarra River) sowie der Whanganui River in Neuseeland, zeigte sie auf, welche Möglichkeiten, aber auch welche Grenzen die Anerkennung von Flüssen als Rechtssubjekte mit sich bringt. Entscheidend sei nicht allein die Vergabe neuer Rechte, sondern deren konkrete Umsetzung sowie die Bereitschaft, bestehende rechtliche und politische Strukturen grundlegend weiterzuentwickeln.
Präsentation von Erin O'Donnell (PDF)
Im Anschluss diskutierte Erin O'Donnell gemeinsam mit Dr.-Ing. Steffen Schorcht (stellvertretender Bundesvorsitzender der GRÜNEN LIGA) sowie Kaa Faensen und Hendrik von Schlieben (Initiative "Rechte der Spree") über die Situation der Spree und weiterer Gewässer in Berlin und Brandenburg. Dabei wurden die Folgen des Klimawandels, der auslaufenden Braunkohle-Sümpfungswässer sowie zunehmender Nutzungskonflikte um Wasser thematisiert. Einigkeit bestand darüber, dass der Schutz von Flüssen sowohl politische Reformen als auch ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein für den Wert lebendiger Gewässer erfordert.
In der Diskussion wurde deutlich, dass die Ideen der internationalen Bewegung für Flussrechte auch für Berlin und Brandenburg zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der Austausch mit Erin O'Donnell hat viele wertvolle Impulse geliefert und gezeigt, wie wichtig die Vernetzung von Initiativen, Umweltverbänden, Wissenschaft und engagierten Bürger*innen ist, um den Schutz unserer Gewässer gemeinsam voranzubringen. Die GRÜNE LIGA unterstützt diesen Austausch (u.a. im Rahmen der Wasservernetzung Berlin-Brandenburg) sowie das Anliegen, die Rechte der Spree stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Gemeinsam können wir dazu beitragen, der Spree als Lebensader Berlins einen stärkeren Schutz und mehr politische Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Bitte unterstützt auch Ihr die Petition „Rechte der Spree anerkennen!“.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Michael Bender (Bundeskontaktstelle Wasser der GRÜNEN LIGA und Stiftung Living Rivers). Im Anschluss nutzten die Teilnehmer*innen die Gelegenheit bei Finger Food und Getränken mit Erin O'Donnell ins Gespräch zu kommen.
Nach der Podiumsdiskussion zogen die Teilnehmer*innen weiter zum Patagonia Store Berlin, der unter dem Titel „We Are River People! Aren't We?“ zum Filmabend einlud. Zahlreiche Gäst*innen aus der Berliner Outdoor-Community, der Blue Community Berlin, der Initiative "Rechte der Spree", der GRÜNEN LIGA und weiteren Umweltinitiativen kamen hier unweit des Alexanderplatzes zusammen, um drei Kurzfilme über Flüsse und ihre Bedeutung für Mensch und Natur zu sehen.
Nach der Begrüßung durch Tobias Schäfer wurden die Filme „Luma“, „Undammed“ und „The River Is Me“ gezeigt. Sie erzählen von Menschen, die sich weltweit für frei fließende Flüsse und die Rechte der Natur einsetzen und verdeutlichen die enge Verbindung indigener Gemeinschaften mit ihren Gewässern.
In der anschließenden Diskussion ordnete Erin O'Donnell die Filme aus juristischer Perspektive ein. Am Beispiel des Vertrags von Waitangi erläuterte sie die historischen Hintergründe der Anerkennung des Whanganui River als Rechtsperson und machte zugleich deutlich, dass die rechtliche Anerkennung allein noch keine ökologischen Verbesserungen garantiere. Entscheidend sei, wie diese Rechte tatsächlich umgesetzt werden und ob sie zu einem veränderten gesellschaftlichen Umgang mit den Flüssen führen.
Beim anschließenden Austausch mit dem Publikum ergaben sich zahlreiche Gespräche über die internationale Entwicklung der Flussrechte und deren Bedeutung für unsere Flüsse in Berlin und Brandenburg. Für einen lokalen Bezug sorgte zudem ein von Praktikant*innen der GRÜNEN LIGA entwickeltes Spree-Quiz, das die Gäste dazu einlud, ihr Wissen über Berlins wichtigsten Fluss zu testen.
Am zweiten Veranstaltungstag führte Erwin Nolde, Pionier für dezentrale Wasser- und Regenwassernutzung, die Teilnehmer*innen durch die Wasseraufbereitungsanlage des Gebäudekomplexes Block 6 am Potsdamer Platz. Dort erläuterte er das seit vielen Jahren bestehende integrierte Regen- und Grauwassermanagement, das europaweit als Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung gilt.
Während der Führung wurde anschaulich erklärt, wie Grauwasser aus Waschbecken und Duschen wiederverwendet werden kann. Durch diese geschlossenen Wasserkreisläufe wird wertvolles Trinkwasser eingespart, die Kanalisation entlastet und der natürliche Wasserhaushalt im dicht bebauten Stadtgebiet unterstützt. Die Exkursion verdeutlichte, dass innovative technische Lösungen einen wichtigen Beitrag zu einer klimaangepassten und wassersensiblen Stadtentwicklung leisten können.
Neben den öffentlichen Veranstaltungen besuchte Erin O'Donnell gemeinsam mit Vertreter*innen des Weltfriedensdienstes die Berlin Metropolitan School sowie eine Schule der Königin-Luise-Stiftung. In Gesprächen mit Schüler*innen stellte sie die internationale Bewegung für die Rechte der Natur vor und diskutierte Fragen zu Wasser als Menschenrecht, Klimagerechtigkeit und nachhaltigem Gewässerschutz. Die Besuche boten jungen Menschen die Gelegenheit, globale Umweltfragen aus einer internationalen Perspektive kennenzulernen und mit einer führenden Expertin über zukünftige Herausforderungen im Umgang mit Wasser und Ökosystemen ins Gespräch zu kommen.
Die GRÜNE LIGA bedankt sich bei den ausrichtenden Partnerorganisationen für diese gelungene Veranstaltungsreihe und wünscht Erin O'Donnell noch viele weitere inspirierende Gespräche im Rahmen ihrer Reise durch Europa.