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Deutschlandtakt – gerät spätestens mit Stuttgart21 aus dem Takt

Mit großer Erleichterung und Zustimmung haben wir – das Bündnis Bahn für Alle und die Gruppe Bürgerbahn statt Börsenbahn – zur Kenntnis genommen, dass die Bundesregierung nunmehr das erfolgreiche Bahnkonzept des „Integralen Taktfahrplans“ (ITF) als Grundlage für einen „Deutschland-Takt“ aufgreifen und bis 2030 verwirklichen will. Wir halten den jetzt verkündeten Zeitplan („bis 2030“) für durchaus ehrgeizig, aber auch notwendig und überfällig, denn seit einer entsprechenden Entscheidung im Nachbarland Schweiz sind nunmehr genau 30 Jahre und seit der dortigen Umsetzung bereits 14 Jahre vergangen. Dabei wird es nicht leicht sein, die inzwischen erfolgten, den ITF-Prinzipien widersprechenden Planungen, Baumaßnahmen und ihre Folgen zu korrigieren. So wurden Jahrzehnte lang Weichen und Überholgleise herausgerissen, Flaschenhälse vor und hinter den Knoten aufgebaut bzw. nicht beseitigt, Fahrzeiten auf den früher noch ITF-gerechten Magistralen (z.B. Hannover-Würzburg) verlängert und damit funktionierende Knoten beeinträchtigt. Bei der Ende 2017 vollendeten Neubau-strecke Berlin-München wird es nicht leicht sein, für die nicht zusammenpassenden Knoten Nürnberg, Erfurt und Halle/Leipzig Notlösungen zu finden.

Vor allem wird das immer noch hartnäckig verfolgte Projekt „Stuttgart 21“ die Möglichkeiten für einen funktionstüchtigen dortigen Bahnknoten definitiv zerstören – mit gravierenden Folgen für die Region und den gesamten südwestdeutschen Raum. Dafür sind u.a. die um 30 % verringerte Kapazität durch die Reduktion von 16 auf 8 Gleise sowie Funktionseinbußen durch die 6-fach überhöhte Schräglage der Gleise und Bahnsteige verantwortlich. In der Machbarkeitsstudie des BMVI zum Deutschland-Takt kommen Stuttgart und Ulm bezeichnenderweise als Takt¬knoten kaum noch vor. Für einen funktionierenden ITF-Betrieb müssten (wie z.B. vom VCD und vom BUND gefordert) mindestens 8 Gleise im bestehenden Kopfbahnhof erhalten werden.

So ist zu fürchten, dass der „Deutschland-Takt“ kaum mehr als eine neue Etikette für die Fortsetzung der planlosen Bahnpolitik der letzten Jahrzehnte hergeben wird. Dagegen wäre es konsequent, wenn die Bundesregierung bzw. das Verkehrsministerium jetzt alle laufenden Bahn-Planungen und -Maßnahmen – insbesondere „Stuttgart 21“ – unverzüglich auf ihre ITF-Verträglichkeit hin überprüft, ggf. Bau-Moratorien zur Plan-Revision erlässt sowie einen geeigneten Maßnahmen-Katalog entwickelt, der die neuen Prioritäten widerspiegelt: An die Stelle prestigeträchtiger (und oft ITF-konträrer) Hochgeschwindigkeits- und Großprojekte muss jetzt eine bundesweite Initiative zur gezielten Strecken-Ertüchtigung treten: Dazu gehören die Verbesserung der Zuläufe, Wiederherstellung von Redundanzen in der Bahn-Infrastruktur, Beseitigung von Schäden aus Fehlplanungen der jüngeren Vergangenheit, Ausbau von zwei- und mehrgleisigen Strecken sowie die landesweite, flächendeckende Elektrifizierung. Mit einem solchen Programm würde die Bundesregierung ein wichtiges und richtiges Signal für die überfällige Verkehrswende senden.

Siehe unser ergänzendes Papier, mit dem wir unsere kritischen Anmerkungen zu Herrn Scheuers Ankündigungen in Sachen „Deutschlandtakt“ untersetzen.

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