Wasser wird knapper: Keine neuen Rechenzentren und Wasser-Großverbraucher in trockenen Regionen

Rechenzentrum (c) Creative Commons licenseBrandenburg, 28.06.2026. Die anhaltende Hitze und Trockenheit verschärfen den Druck auf die Wasserressourcen in Brandenburg und anderen wasserarmen Regionen Deutschlands. Während Flüsse, Seen und Feuchtgebiete Wasser verlieren, Warnampel der Wasserversorger immer mehr auf Rot gehen, Böden austrocknen und die Landwirtschaft unter zunehmendem Stress steht, wird weiterhin über die Ansiedlung wasserintensiver Industrie und großer Rechenzentren diskutiert.

„Es kann nicht sein, dass Menschen zum Wassersparen aufgefordert werden, während gleichzeitig neue wasserintensive Industrieanlagen und Rechenzentren in Regionen geplant werden, die längst unter Wasserstress leiden. Trinkwasser, funktionierende Gewässer und stabile Grundwasserstände müssen Vorrang vor kurzfristigen Standortinteressen haben“, fordert der Bundesvorsitzende der GRÜNEN LIGA, Thomas Tennhardt.

Die GRÜNE LIGA fordert deshalb, Ansiedlungen von Industrie und Rechenzentren künftig konsequent an der regional verfügbaren Wassermenge auszurichten. Notwendig sind verbindliche Wasserbilanzen vor jeder Ansiedlung. Diese müssen den direkten Wasserverbrauch eines Unternehmens ebenso berücksichtigen wie den Wasserbedarf für Energieerzeugung, Kühlung und Infrastruktur.

Brandenburg zählt zu den trockensten Regionen Deutschlands. In vielen Landesteilen fallen jährlich weniger als 600 Millimeter Niederschlag. Zugleich ist die Grundwasserneubildung seit 1980 um bis zu 40 Prozent zurückgegangen. Das ist besonders gravierend, weil mehr als 95 Prozent des Trinkwassers in Brandenburg aus Grundwasser gewonnen werden. Laut einer 2021 im Nature-Fachjournal npj Clean Water veröffentlichten Studie kann bereits ein Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Megawatt bei wasserbasierter Kühlung rund 25,5 Millionen Liter Wasser im Jahr verbrauchen.

Trotzdem werden weiterhin Ansiedlungen wasserintensiver Industrie und großer Rechenzentren vorangetrieben. Rechenzentren benötigen Wasser insbesondere für Kühlung und Befeuchtung. Zugleich wächst mit ihrem hohen Strombedarf auch ihr indirekter Wasserfußabdruck. Neue Großverbraucher dürfen nicht dort genehmigt werden, wo Wasserreserven bereits unter Druck stehen.

„Digitale Infrastruktur darf nicht auf Kosten unserer Wasserreserven wachsen. Wer neue Rechenzentren plant, muss offenlegen, wie viel Wasser benötigt wird, woher es kommt und welche Folgen die Entnahme für Grundwasser, Gewässer und die öffentliche Versorgung hat. In wasserarmen Regionen dürfen keine zusätzlichen Großverbraucher genehmigt werden“, sagt Steffen Schorcht, Mitglied des Bundesvorstands der GRÜNEN LIGA.

Zugleich braucht es einen grundlegenden Kurswechsel beim Umgang mit Regenwasser. Regen muss möglichst dort zurückgehalten werden, wo er fällt. Entsiegelung, Versickerung, Wiedervernässung und eine wassersensible Stadt- und Regionalplanung sind zentrale Bausteine, um Grundwasser neu zu bilden und die Folgen von Hitze und Dürre abzumildern. Regenwasser darf nicht weiter unnötig über Kanalisationen und Abwassersysteme aus der Landschaft abgeleitet werden.

„Statt auf Wasserautobahnen und technische Großprojekte wie den Elbüberleiter zu setzen, braucht es Lösungen vor Ort: weniger Versiegelung, mehr Wasserrückhalt in der Landschaft und eine gerechte Verteilung der verfügbaren Ressourcen. Wasser ist keine beliebig verfügbare Ware, sondern Grundlage für Gesundheit, Landwirtschaft, Natur und gesellschaftliche Teilhabe“, so Thomas Tennhardt.

Die GRÜNE LIGA fordert außerdem eine engere Zusammenarbeit der Bundesländer, insbesondere von Berlin und Brandenburg. Wasser kennt keine Verwaltungsgrenzen. Die Versorgung der wachsenden Metropolregion, die Belastungen durch Industrie, Landwirtschaft, Bergbau und Energieerzeugung sowie der Schutz von Flüssen und Grundwasser müssen gemeinsam geplant werden.

Die GRÜNE LIGA setzt sich seit ihrer Gründung für eine nachhaltige und gerechte Wassernutzung ein. Dazu gehören der Einsatz gegen die Folgen des Braunkohlebergbaus, die Kritik an industriellen Großverbrauchern sowie die Unterstützung von Bürgerinitiativen und lokalen Umweltverbänden.

Die GRÜNE LIGA unterstützt zudem das Konzept der „Rechte der Natur“. Flüsse, Seen und Ökosysteme sollen stärker geschützt werden, indem ihre Interessen verbindlich vertreten werden können. Damit kann Wasser nicht länger allein als Rohstoff betrachtet werden, sondern als Lebensgrundlage mit eigenem Schutzanspruch.